Alles nur Verhandlungssache.

Dynamic Pricing.
Das Internet ist nicht nur ein Markt auf dem man fast alles in kürzester Zeit einkaufen kann, das Internet ist auch ein Platz, auf dem Preise und Leistungen maximal transparent werden können. So ist es nicht verwunderlich, dass der Shopbetreiber im Kampf um den Kunden hart an seinen Preisen feilen muss.

Geringe Unterschiede in Cent- bzw. Euro-Beträgen entscheiden dann über die Kanalisierung der Käufermassen aus der Suchmaschine, dem Amazon Marketplace oder einem Preisvergleichsportal heraus, hinein in den eigenen Shop.

Es ist also nicht allein damit getan, einen guten Shop mit gut kalkulierten Preisen zu haben. Dynamic Pricing ist für diejenigen Shop-Betreiber, die ihren Online-Markt beobachten oder für ebay Power-Seller, die ihr Geschäft im Griff haben, auch nichts Neues.

Für sie gehört es schon seit Jahren zur Routine, Marktpreise regelmäßig zu beobachten und die eigenen zu überprüfen und ggf. anzupassen.

Größter Anwender dieses Dynamic-Pricing-Prinzips ist Amazon, der seine Preise bis zu 8 mal am Tag ändert, insbesondere an Tageszeit- oder aber saisonal gebunden. 


Sicher kein Grund sich aufzuregen. Nicht nur das Internet bietet solche Preisgestaltungen. Wer in Deutschland ausgeht, findet ja auch die Happy Hour, um Getränke möglichst rund um die Uhr abzusetzen. Ein anderes Beispiel sind Fluggesellschaften, die je nach Wochentag, Tageszeit und verbleibender Zeit bis zum Antritt des Flugs verschiedene Preise anbieten um den besten Preis zu finden, den der Verbraucher noch bereit ist zu zahlen und damit möglichst die eigenen leeren Plätze zu besetzen.

Und auch bei Tankstellen hat es sicher jeder schon erlebt, dass der gesehene Benzinpreis bereits 5 Minuten später vom Tankstellenpächter geändert wurde.

In den USA, so berichtet das WSY, gibt es bereits Kneipen, die Ihre Bierpreise stundenweise festlegen (siehe auch Grafik links). SO hat beispielsweise das Tipsy Crow in San Diego Californien auf 3 Etagen unterschiedliche Preise, die dazu noch von montags bis sonntags variieren und darüber hinaus noch an Uhrzeiten, Events und den VIP-Status gebunden sind.

Der erste Gedanke, dass dabei doch niemand mehr den Überblick haben kann, ist sicher nicht richtig, denn die Theken- und Servicekräfte und die Besitzer werden ihn haben und darin liegt das Geschäft.

Quelle: Wallstreet Yournal

Die neuen Aspekte des Dynamic Pricing

Aspekt: Geschwindigkeit

Große Shops verfügen oft über ein Team von Redakteuren im Hintergrund, das das Internet beobachtet und die Preise direkt oder über Preisalgorithmen automatisiert anpasst.
Für kleinere Shops gibt es mittlerweile Preisanalyse-Programme und Plattformen, z.B. von Kofax, Pricebot, Preisanalytics oder Wiser, die Daten extern sammeln und dem Betreiber in verschiedenster Form, auch als einfach zu integrierende Magento-Extension, zur Verfügung stellen.
Dabei bedarf es dann keiner Freigabe durch den Händler mehr - der einmal eingerichtete Mindestpreis gilt dann als unterste Kappungsgrenze.

Dabei bedarf es dann keiner Freigabe durch den Händler mehr - der einmal eingerichtete Mindestpreis gilt dann als unterste Kappungsgrenze.

IBM Commerce stellt aktuelle sogar eine Cloud-Lösung für Dynamic Pricing vor. Das neue Tool analysiert automatisiert Abverkaufsdaten, Marktbedingungen und die Preise von Wettbewerbern, um dann Händlern eine automatisierte Preisanpassung zu ermöglichen – mit einem einstellbaren Automatisierungsgrad.

Diese neuen Techniken haben dann Auswirkungen bis in den stationären Handel. Digitale und an das Internet gekoppelte Preisschilder ersetzen schon in vielen Supermärkten das Papier-Etikett. So haben Media Markt und Rewe bereits einige Hunderte Geschäfte mit Preisschildern die nicht aus Papier sind sondern mit E-Ink-Technik funktionieren, ausgestattet.

Über ein Preisanalyse-Datensystem können dann die Preisschilder nahezu in Echtzeit an die Marktgegebenheiten angepasst werden (Sie auch FAZ-Artikel).


Aspekt: Kunden-Diskriminierung

Auch eigentlich nicht neu ist, den Preis nach der Kaufbereitschaft oder der Kaufkraft eines Kunden zu bestimmen.
So gibt es z.B. im kulturellen Bereich für Familien oder Kinder und Jugendliche oftmals vergünstigte Angebote oder es finden sich Hotels und Campingplätze, die teurer werden, wenn z.B. die Nachfrage durch Ferien erhöht ist.
Neu ist aber, dass Technik und Daten im Internet genutzt werden können, um ein Produkt im Internet gleichzeitig an einem einzigen Shop zu unterschiedlichen Preisen anzubieten, in Abhängigkeit davon, welche geografisch/regionalen, kulturellen, ethnischen oder technischen Informationen über den Käufer vorliegen. Der Händler differenziert verschiedene Kundenklassen und Zielgruppen und weist z.B. in Abhängigkeit davon, mit welchem Gerät auf den Onlineshop zugegriffen wird, unterschiedliche Preise aus.

Mit der Unterstellung einer höheren Kaufkraft (man hat ja schließlich auch das teure Endgerät) erhalten dann Käufer mit Apple-Computern, iPhones und iPads höhere Preise als diejenigen, die „nur“ über Computer, Android-Tablets shoppen – dies hatte erst unlängst der SWR bei Amazon in ganz eklatanter Weise nachgewiesen ( von Amazon bestritten) aber auch bei Lensbest, die Kontaktlinsen für einen erheblich besseren Preis anboten, wenn man den Shop nicht direkt aufrief, sondern über bestimmte Werbeanzeigen in den Shop geführt wurde.
Der Käufer merkt hiervon meist nichts.

Erlaubt und sinnvoll?

Preise in Suchmaschinen müssen immer aktuell sein. Der Verbraucher darf nicht durch falsche Preisversprechen auf eine Seite gelockt werden, die seine Erwartungen dann nicht erfüllen, so der BGH (BGH Urteil (Az: I ZR 123/08)). Das ist aber auch schon die obere Grenze. Die Preisangabenverordnung (PAngV) ist die Vorschrift, die Preisgestaltung regelt. Schreibt allerdings nicht vor, dass die Preise für jedermann gleich, oder die Preise längere Zeit stabil sein müssen.
Ob ein solch tiefes Einsteigen in die Preisgestaltung sinnvoll ist, kann man nicht pauschal sagen. Diskriminierende dynamische Preise sind die Antwort auf ein Verbraucherverhalten, z.B. darauf, dass der User immer mobiler wird, sich im Fachgeschäft zwar beraten lässt aber im Internet kauft und Preise auf alle möglichen Weisen prüft und versucht, stets zum möglichst niedrigen Preis einzukaufen.
Im Auge behalten muss ein Shopbetreiber auch, dass die Baumarktkette Praktiker mit ihren „20 Prozent auf alles" zum Sanierungsfall wurde und die Media-Saturn-Holding mit "Geiz ist geil" zum finanziellen Sorgenkind des Metro-Konzerns.